6
Mai
2015

Entbürokratisierung der Pflege

Entbürokratisierung der Pflege

„Entweder kriegen wir es jetzt hin oder wir hören auf, über die Bürokratie der Dokumentation zu schimpfen!“ (K.- J. Laumann)

Mit diesen Worten kündigt der Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums die Entbürokratisierung in der Pflege an. Fr. Beikirch als Ombudsfrau möchte mit der SIS (Strukturierte Informationssammlung) hierzu entscheidend zur Entbürokratisierung beitragen. Ist das ausreichend? Muss nicht auch das komplette Qualitätsmanagement entbürokratisiert werden. Wie hoch sind die tatsächlichen Nutzen der Qualitätszirkel, Fallbesprechungen und der Pflegevisiten und wie viel Zeit nehmen diese in Anspruch?

Ist das alles gut und immer hilfreich?

In der Parodie „Per Anhalter durch die Galaxis“ werden die Vogonen als ein überbürokratisiertes Volk dargestellt, welche sich vor einem Handtuch fürchten, und sich über Antragsstellungsverfahren nahezu unbeweglich machen. Sowie im Film „Live Of Brian“ wo sich die judäische Volksfront in ergebnislosen Debatten sich in Kleinigkeiten verstrickt und dabei das eigentliche Ziel völlig verliert. So haben Douglas Adams und Monty Python auf die Überbürokratisierung mit Tagesordnungspunkten, Qualitätszirkeln, Genehmigungen und Beantragungen reagiert.

„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht und nicht in dem Maß, wie komplex sie tatsächlich ist“

(C.N. Parkinson), Parkinsonsche Gesetz zum Bürokratiewachstum

Jedoch jeder Mensch hat sich sicher auch schon mal darüber geärgert wenn er hin und wieder einen Fall in den Medien verfolgt, wo die Lösung des Problems doch greifbar nahe liegt, jedoch der Weg durch scheinbar ewige Debatten in der Politik versperrt wird. So krankt unser System nicht nur an einer Prozessträgheit, sondern auch an den dadurch entstehenden Kosten. Vielleicht hat jeder schon mal in Wut oder Verzweiflung gesagt: „Nun ist aber genug der Worte, handelt endlich.“  Dieses entspricht ganz der Aussage des Sozialpsychologen Peter Brückner: „Der sich politisch Mäßigende setzt Fett an, das ihm und anderen als Muskel nur erscheint, und gleichzeitig magert etwas in ihm ab. Er wird ein politischer Suppenkasper.“

Das Gegenteil wiederum ist heutzutage undenkbar, wenn wenige Menschen über das Wohl und Wehe Vieler entscheiden können. Jedoch wenn man dieses Gedankenspiel weiterführt so könnte man zu diesen Ergebnis kommen. Wer bestimmt in einem System die Entscheidungen und wer verdient damit sein Geld und seine Anerkennung?

Hierzu ist vielleicht die Aussage von Winston Churchill zutreffend: „Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“

Nach dem Soziologen Max Weber ist die Bürokratie als ein positiver Prozess zu bewerten. Im Gegensatz zur traditionalen und charismatischen Herrschaft verhindert die Bürokratie Bevorzugung oder Benachteiligung Einzelner in Form von willkürlichen Entscheidungen, weil sich alle an die gleichen und rational begründeten Spielregeln, bzw. Gesetze (eine gesetzte Ordnung) halten müssen.

Wie können Pflegekräfte Einfluss auf die Arbeitsstrukturen und Qualitätsanforderungen haben? Wie viel Einfluss kann eine Pflegekraft im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit auf diese Prozesse ausüben und was kann sie verändern?

Ein schönes Wochenende…

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